Funded Account: Was das wirklich bedeutet – und wann daraus echtes Kapital wird
Ein Funded Account ist das Konto, das du bekommst, nachdem du die Challenge einer Prop Firm bestanden hast – die Firma stellt Kapital und Regelwerk, du lieferst die Handelsleistung und bekommst dafür eine erfolgsabhängige Vergütung. Was die meisten Ratgeber verschweigen: Bei einigen Firmen bleibt dieses Konto für immer simuliert, bei anderen ist es nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu echtem Kapital. Welches Modell dahintersteckt, verändert dein Risiko und deine Erwartung mehr als der gemeinsame Name.
Was ein Funded Account rechtlich und praktisch ist
Rechtlich ist das, was dir eine Prop Firm auf einem Funded Account (finanziertem Konto) auszahlt, im Regelfall kein Kapitalertrag. Du hast kein eigenes Vermögen investiert und trägst kein Marktrisiko im klassischen Sinn – die Auszahlung ist eine erfolgsabhängige Vergütung aus diesem Vertragsverhältnis, nicht Ertrag aus eigenem Kapital. Die pauschale Abgeltungsteuer von 25 % aus deinem Wertpapierdepot greift darauf deshalb im Normalfall nicht; besteuert wird stattdessen meist nach deinem persönlichen Einkommensteuersatz. Wie diese Einordnung im Detail funktioniert und was du dafür dokumentieren solltest, steht im Prop-Trading-Steuern-Ratgeber – das wiederholen wir hier nicht.
Praktisch bedeutet Funded Account: Du handelst innerhalb derselben Art von Grenzen, die schon in der Challenge galten – maximaler Drawdown, Tagesverlustlimit, oft eine Consistency-Regel –, und Auszahlungen laufen nach dem Rhythmus der Firma – von Auszahlungen auf Abruf (Topstep, Funding Pips, E8 Markets) bis zu einem zweiwöchigen Rhythmus (FTMO, FundedFast). Der Name selbst ist Branchenstandard, aber nicht einheitlich benutzt: Topstep unterscheidet zwischen einem Express Funded Account (XFA) und einem Live Funded Account, Apex spricht von einem „Performance Account“ (PA), und bei The5ers ist die Stufe Teil eines mehrstufigen Skalierungsplans. Lies deshalb immer nach, welche konkrete Stufe eine Firma meint, bevor du „Funded Account“ mit Auszahlungsbedingung X gleichsetzt.
Die Kontogröße, mit der du startest, unterscheidet sich ebenfalls stark – und begrenzt, wie weit dich ein Skalierungsplan überhaupt tragen kann. FTMO und Topstep gehen bis 200.000 $ beziehungsweise 150.000 $ auf der höchsten direkt kaufbaren Stufe, während Earn2Trade, Funding Pips und FundedFast bei einer maximalen Kontogröße von 400.000 $ liegen (bei Earn2Trade und Funding Pips teils erst über Scaling erreichbar) und E8 Markets mit 500.000 $ die größte direkt kaufbare Evaluierung in diesem Vergleich anbietet. „Funded Account“ sagt also für sich genommen noch nichts über die tatsächliche Kapitalgröße – die hängt an der gewählten Stufe, nicht am Namen.
Simuliert vs. echtes Kapital – der Unterschied, den die meisten Seiten auslassen
Bei den meisten Prop Firmen bleibt ein Funded Account dauerhaft ein simuliertes Konto: Die Firma spiegelt deine Trades intern oder zahlt dich aus dem eigenen Gebühren-Topf, statt deine Orders an einen echten Markt weiterzuleiten. Für die Auszahlung selbst ist das ohne Bedeutung, solange die Firma zuverlässig zahlt – aber es ist eben nicht dasselbe wie eigenes Kapital am Markt zu bewegen.
Mehrere Firmen dokumentieren einen echten Übergang zu realem Kapital, und die Bedingungen dafür unterscheiden sich deutlich. Bei Topstep ist die Trading Combine simuliert; bestehst du, landest du zunächst auf dem Express Funded Account (XFA), wo Auszahlungsanfragen je nach Kontogröße und Weg auf 2.000–6.000 $ gedeckelt sind, höchstens 50 % des Kontostands. Erst der Aufstieg zum Live Funded Account hebt diesen Deckel auf – ab da handelst du laut Firmenangabe mit echtem Kapital. Bei Earn2Trade arbeiten die Evaluierung und die simulierte „LiveSim“-Stufe beide mit End-of-Day-Drawdown; echte „Live“-Konten wechseln stattdessen auf einen Trailing-Drawdown, ein spürbar strengeres Risikomodell. Der Haken: Nach eigener, veröffentlichter Statistik von Earn2Trade erreichen nur 5,23 % der erfolgreichen Kandidaten je ein echtes Live-Konto – 94,77 % bleiben auf LiveSim. Bei Funding Pips führt das dreistufige PRIME-Programm von einer simulierten Evaluierung über skaliertes PRIME-Kapital bis 2M $ und schließlich in die Verwaltung von Investorenkapital als „Fund Manager“; separat betreibt die Firma mit Tradin einen eigenen regulierten Live-Broker, über den Funded Trader ihre Auszahlungen in einem echten, lizenzierten Konto mit Hebel bis 1:2000 einsetzen können.
Zwei weitere Firmen gehören in dieses Bild, aber mit einem wichtigen Vorbehalt: Apex Trader Funding erwähnt in seinen Bedingungen ein „Live-Konto“, für das nach bestandener Evaluierung eine einmalige PA-Aktivierungsgebühr von rund 69–149 $ fällig wird. Ob auf diesem Konto simuliertes oder tatsächlich reales Kapital bewegt wird, ist öffentlich nicht nachprüfbar – Apex macht dazu keine belastbaren Angaben. Beim früheren Instant-Funding-Modell von The5ers floss dagegen ausdrücklich und völlig ungeprüft echtes Kapital ab Tag eins; das heutige Flaggschiff Hyper Growth verlangt stattdessen erst eine bestandene 1-Step-Evaluierung, bevor überhaupt finanziert wird. Ob die heutige Funded-Stufe simuliert oder real ist, sagt die Firma nicht – belegt ist nur, dass der Zugang zu Kapital heute an eine bestandene Prüfung gekoppelt ist, statt wie früher ab der ersten Sekunde zu greifen.
Wie Kontogröße und Profit Split über den Skalierungsplan wachsen
Bei den meisten Firmen startest du nicht auf der maximal möglichen Kontogröße oder dem höchsten Profit Split (Gewinnbeteiligung), sondern verdienst dir beides über einen Skalierungsplan, sobald du über einen definierten Zeitraum profitabel und regelkonform handelst. Wie die Evaluierung überhaupt aufgebaut ist, aus der du in diese Stufe kommst, erklärt der Ratgeber Was ist Prop Trading.
Die konkreten Modelle unterscheiden sich stark. FTMO hebt dein zugeteiltes Kapital alle vier Monate um 25 % an, sofern du die Performance-Kriterien erfüllst, bis zu 2 Mio. $ kombiniertem Kapital; der Split verbessert sich parallel von 80/20 auf 90/10. The5ers verdoppelt das Konto bei jedem erreichten Meilenstein, bis zu 4 Mio. $ kombiniertem CFD-Kapital beziehungsweise 500.000 $ bei Futures, während der Split über die Scaling-Tabelle von 75/25 über 80/20 bis zu 100 % ab der 400.000 $-Stufe klettert. FundedNext startet ebenfalls bei 80/20 und erreicht 90/10 über einen Scale-Up-Mechanismus.
Nicht jede hohe Split-Zahl ist so erarbeitet. Bei FundedNext ist die oberste Stufe von 95 % kein Scaling-Ergebnis, sondern ein kostenpflichtiges Add-on im Checkout; bei FundedFast ist das 90/10-Upgrade ebenfalls ein reines Checkout-Add-on, kein Aufstieg, in den du durch Performance hineinwächst. Lies deshalb genau nach, ob ein beworbener Split „erreichbar“ oder schlicht „kaufbar“ ist – das ist ein anderes Versprechen; einen direkten Überblick über die Splits selbst liefert die Übersicht der Prop Firmen mit dem besten Profit Split.
Welche Regeln auf einem Funded Account typischerweise gelten
Die Regelkategorien, die schon deine Challenge bestimmt haben, gelten in aller Regel auch auf dem Funded Account weiter: ein maximaler Drawdown, ein Tagesverlustlimit, häufig eine Consistency-Regel, die begrenzt, wie viel deines Gesamtgewinns aus einem einzigen Tag stammen darf, dazu bei manchen Firmen Einschränkungen rund um News-Trading oder das Halten von Positionen übers Wochenende. Was die einzelnen Drawdown-Modelle – statisch, End-of-Day-Trailing, Real-Time-Trailing – konkret bedeuten und wen sie hart treffen, steht im Ratgeber Trailing vs. statischer Drawdown.
Ein dokumentiertes Beispiel dafür, dass sich diese Grenzen selten lockern: Bei FundedFast gelten dieselben 5 % Tagesverlust und 10 % Gesamtverlust, gemessen am Startguthaben, unverändert auf dem Funded Account – dort werden Stop-Losses sogar zur Pflicht, wo sie in der Evaluierung optional waren.
Manche Firmen verschärfen die Regeln beim Übergang eher, statt sie zu lockern. Bei Earn2Trade etwa gilt in der Evaluierung und auf LiveSim ein vergleichsweise nachsichtiger End-of-Day-Drawdown; wer tatsächlich auf ein echtes Live-Konto wechselt, handelt danach unter einem strengeren Trailing-Drawdown. Das Regelwerk der nächsten Stufe verdient also einen zweiten Blick – nicht nur das der Challenge, die du gerade kaufst.
Die Consistency-Regel ist ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich „typisch“ in der Praxis ausfällt: Bei Earn2Trade begrenzt sie schon während der Evaluierung, dass nicht mehr als 30 % deines Gesamtgewinns aus einem einzigen Handelstag stammen dürfen; Topstep verlangt für den schnelleren Auszahlungsweg auf dem Express Funded Account eine 40 %-Consistency-Grenze, alternativ reichen fünf statt drei Gewinntage ohne diese Vorgabe. Apex dagegen legt die Consistency-Regel erst auf den Funded Account selbst, nicht auf die Evaluierung: Kein einzelner Handelstag darf dort 50 % oder mehr deines Gesamtgewinns seit der letzten genehmigten Auszahlung ausmachen. Beide Zahlen zeigen dasselbe Prinzip – ein einzelner Glückstag soll dich nicht tragen –, aber die genaue Schwelle, und ob sie überhaupt vor oder erst nach der Finanzierung greift, ist von Firma zu Firma verschieden und gehört vor dem Kauf gelesen, nicht erst nach der ersten verweigerten Auszahlung.
Nicht jede Firma verschärft dabei automatisch. FTMO erlaubt News-Trading und das Halten von Positionen über das Wochenende auf seinen Standard-Kontotypen ausdrücklich, mit Einschränkungen nur bei den separaten Swing-Free-Varianten – Regeln, die andere Firmen komplett verbieten. Genau deshalb lohnt sich der Vergleich des Regelwerks vor dem Kauf mehr als der Vergleich der Marketing-Schlagzeile.
Was passiert, wenn du die Regeln brichst
Ein Regelverstoß auf dem Funded Account beendet das Konto in aller Regel sofort, unabhängig davon, auf welcher Stufe du stehst. Topstep etwa überwacht sein End-of-Day Trailing Max Loss Limit laut eigenen Angaben in Echtzeit und liquidiert das Konto bei einer Verletzung ohne weitere Vorwarnung – das Limit selbst zieht zwar nur den Kontostand zum Sitzungsende nach, kontrolliert wird die Einhaltung aber durchgehend.
Finanziell ist ein gescheitertes Konto fast immer ein endgültiger Verlust der bereits gezahlten Gebühren. Weder Earn2Trades monatliche Abo-Gebühr noch die einmalige Aktivierungsgebühr kommen zurück; bei Apex sind sowohl die Evaluierungsgebühr als auch die separate PA-Aktivierungsgebühr von 69–149 $ nach bestandener Prüfung endgültig ausgegeben. Willst du weiterhandeln, kaufst du in der Regel eine neue Evaluierung – die Kosten des Scheiterns sind also nicht nur die verlorene Zeit, sondern eine zweite Rechnung.
Ein Sonderfall bei Apex zeigt, dass ein Konto auch ganz ohne Regelverstoß ein eingebautes Ablaufdatum haben kann: Jedes Funded Account ist dort auf sechs Auszahlungen gedeckelt, danach musst du dich mit einer neuen Evaluierung requalifizieren – unabhängig davon, wie sauber du gehandelt hast. Was überhaupt als Verstoß zählt, ändert sich außerdem mit der Zeit: Apex hat seinen früheren 5:1-Risk-Reward-Deckel und die MAE-Regel (Maximum Adverse Excursion) beim Programm-Relaunch im März 2026 vollständig gestrichen – wer nach altem Regelwerk kalkuliert, prüft am besten, ob sein Konto noch unter die Legacy-Bedingungen fällt oder schon unter die neuen.
Eine branchenweite Kulanzregel – etwa eine Nachfrist oder eine formelle Warnung vor dem ersten endgültigen Verstoß – ist in unseren Daten für keine der zehn Firmen in diesem Vergleich dokumentiert. Geh im Zweifel davon aus, dass eine Regelverletzung sofort zählt, und lies das aktuelle Regelwerk deiner konkreten Kontostufe, bevor du handelst, statt dich auf Foren-Erfahrungsberichte zu verlassen.
Für wen sich welches Modell eignet
Ein dauerhaft simuliertes Funded Account passt zu Tradern, denen es in erster Linie um die Vergütung geht, nicht um echten Marktzugang: Der Weg dorthin hat keine zusätzliche Kapitalhürde, die Regeln bleiben in der Regel überschaubarer, und die Auszahlungshistorie der Firma ist das einzige, was wirklich zählt. Für die meisten Trader in diesem Vergleich, die keine der oben genannten Firmen mit dokumentiertem Live-Übergang nutzen, ist genau das der Normalfall.
Ein Übergang zu echtem Kapital passt eher zu Tradern, die tatsächliche Marktausführung oder einen regulierten Broker-Zugang wollen und bereit sind, dafür härtere Bedingungen zu akzeptieren: ein strengeres Trailing-Drawdown-Modell wie bei Earn2Trade, gestaffelte Auszahlungsdeckel wie in Topsteps XFA-Phase, oder – über Funding Pips' Tradin – ein reguliertes Live-Konto mit deutlich höherem Hebel als jede Evaluierung. Das ist ein anderes Risikoprofil als ein reines Vergütungsmodell, und es sollte bewusst gewählt werden, nicht als Nebeneffekt.
Bevor du eine Challenge speziell wegen des Ziels „echtes Kapital“ kaufst, rechne die veröffentlichten Quoten durch. Bei Earn2Trade erreichen laut eigener Statistik nur gut 5 von 100 erfolgreichen Kandidaten je ein echtes Live-Konto – die große Mehrheit bleibt dauerhaft auf der simulierten LiveSim-Stufe. Das relativiert das Zielbild erheblich und sollte Teil der Kalkulation sein, nicht eine Überraschung nach dem Kauf.
Wer dagegen überhaupt keine Evaluierung durchlaufen und stattdessen sofort finanziert werden will, sucht nicht in erster Linie den Weg zu echtem Kapital, sondern ein anderes Modell: Instant Funding. Eine Übersicht entsprechender Anbieter liefert die Kategorie Prop Firmen ohne Challenge. Wer stattdessen zum ersten Mal überhaupt eine Prop Firm ausprobiert, ist mit den besten Prop Firmen für Anfänger meist besser beraten als mit der Suche nach der höchsten Split-Zahl.